Samstag , März 25 2017
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Eine Amerikanerin im Märchenhaus Gitta Connemann diskutiert mit Austauschschülerin über Judentum, Musik und Heimat

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LEER. Chava Rosenberg* ist glücklich. Die 18-jährige trinkt Tee und strahlt. Bei ihrer Gastmutter Greta Meyer und ihrer Gastschwester Lieselotte fühlt sie sich pudelwohl. Chava kommt aus Baltimore (USA) und nimmt derzeit am Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) teil. Seit ein paar Monaten lebt sie in Leer: „Als ich das Haus das erste Mal gesehen habe, dachte ich sofort an ein kleines Märchenhäuschen. Leer gefällt mir sehr gut. Es ist nicht so groß und sehr, sehr schön.“ Wie sehr Chava ihre Gastfamilie ins Herz geschlossen hat, zeigt ihre kleine Reise zu Beginn des Austauschs. Der erste Sprachkurs fand in Leer statt.

Dort lernte sie auch ihre heutige Gastfamilie kennen. Als es nach drei Wochen zu einer Gastfamilie nach Bremen ging, hatte die Schülerin schnell Heimweh. Jedoch nicht nach Baltimore, sondern nach Greta, Lieselotte und die Stadt Leer. Hier bekam die Austauschschülerin jetzt Besuch von der CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann. Die Christdemokratin betreut das Austauschprogramm seit vielen Jahren als Patin: „Das Herz eines Landes schlägt in seinen Familien. Nirgendwo haben junge Menschen die Chance, so gute Einblicke in eine andere Lebensweise zu bekommen wie bei ihren Gastfamilien.“ Chava ist jetzt seit rund einem halben Jahr in Deutschland. Sie besucht die 10. und 11. Klasse des Ubbo-Emmius Gymnasiums in Leer. Seit drei Jahren lernt sie Deutsch. Sie liebt Sprachen. Ihr Onkel hat zudem ein paar Jahre in Heidelberg gelebt. Durch einen früheren Austausch mit einer deutschen Schülerin hatte sie zusätzlich Interesse an unserer Sprache bekommen: „Ich war ein bisschen frustriert. Ich wollte mehr mit ihr reden und mehr verstehen. Deshalb habe ich mich beim PPP beworben. Es ist einfacher, in einer Familie Deutsch zu lernen. Mittlerweile klappt es ganz gut. An Kleinigkeiten hapert es noch, aber die Zusammenhänge verstehe ich fast alle.“ Das bestätigt auch ihre Gastmutter: „Chava spricht sehr gut Deutsch und versteht alles. Sie ist vor allem musikalisch und politisch interessiert. Sie schaut jeden Abend Nachrichten.

Die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten war für sie ein richtiger Schock.“ Auch mit ihrer Gastschwester versteht sich Chava sehr gut. Sie gehen ab und zu in die Innenstadt oder tauschen Klamotten. Gemeinsam besuchen sie den Chor: „Wir sind wie Geschwister. Wir gehen zur selben Schule, haben ähnliche Interessen. Wir haben sogar zusammen Chanukka gefeiert. Chava ist nämlich Jüdin.“ Für Chava ist dieser offene kulturelle Austausch sehr wichtig. Als Jüdin ist es für sie in Leer nicht immer einfach. Eine eigene Synagoge oder lebendige Gemeinde gibt es hier nicht. Am UEG bringt sie in einer großen Präsentation Schülerinnen und Schülern der zehnten und elften Klassen das Judentum und das Problem des Antisemitismus näher. Die weltweit wachsende Judenfeindlichkeit verfolgt sie mit großer Sorge. In Amerika hat es gegen ihre Gemeinde schon häufiger Bombendrohungen gegeben. Gitta Connemann, die unter anderem Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ist, kann diese Sorge gut verstehen: „Antisemitismus ist kein Randphänomen. 20 Prozent der Menschen in unserem Land sind offen oder latent antisemitisch. Antisemitismus hat viele Facetten. Gerade der relativierende Halbsatz „Ich habe ja nichts gegen Juden, aber.“ sollte die Alarmglocken läuten lassen.“ In Leer ist sie bislang jedoch immer mit offenen Armen empfangen worden. Insbesondere in der Ehemaligen Jüdischen Schule Leer.

Bis Juli wird Chava Rosenberg noch in Deutschland bleiben. Danach geht es zurück nach Baltimore. In Leer und in ihrem Märchenhaus, wird sie jedoch nicht zum Letzten Mal gewesen sein. Das Austauschprogramm PPP zwischen Deutschland und den USA gibt es seit über 30 Jahren. Mit Stipendien des Deutschen Bundestages sowie des US-Kongresses leben junge Deutsche und Amerikaner für ein Austauschjahr in dem jeweils anderen Land. Sie besuchen dort die Schule oder machen ein Praktikum. Wer Lust hat sich zu bewerben, findet alle Informationen auf der Internetseite: https://www.bundestag.de/ppp. Die Bewerbungsphase für das 35. PPP (2018 / 2019) startet im Mai 2017.

*Name vom Autor geändert

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