Für eine bessere Bildung in Niedersachsen

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CDU-Schulpolitiker Kai Seefried und Ulf Thiele wollen bessere Qualität im bestehenden System statt erneute Schulstrukturreform

Das Sturmtief “Thomas”, das am Donnerstagabend auch über Leer hinweg zog, brachte die richtige richtige Stimmung in die bildungspolitische Debatte, zu der der Arbeitskreis Bildung des CDU-Kreisverbandes Leer in den Kulturspeicher eingeladen hatte. Der Niedersächsischen Landesregierung blies an diesem Abend, wie auch sonst in der Schulpolitik starker Gegenwind ins Gesicht. “Und sie sitzt die Probleme aus” ist Arbeitskreisvorsitzender Jörg Vollbrecht überzeugt.

Kai Seefried MdL, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion aus dem Landkreis Stade und der leeraner Wahlkreisabgeordnete Ulf Thiele MdL aus Remels waren Vollbrechts Einladung gefolgt, um Lehrern, Eltern, Schülern und Kommunalpolitikern Rede und Antwort zum Thema “Bessere Bildung in Niedersachsen” zu stehen. Das Themenspektrum reichte von der schlechten Unterrichtsversorgung, über Probleme bei der Umsetzung der Inklusion und die Schwierigkeit, gerade in ländlichen Regionen Schulleiterstellen in den Grundschulen zu besetzen. Die Diskussion verlief engagiert und zum Teil auch kontrovers.

Aktuelle Zahlen zur Unterrichtsversorgung lägen über ein halbes Jahr nach Beginn des Schuljahres 2016/2018 noch nicht vor, berichteten die Abgeordneten. Nach den vorliegenden Daten dürfte sie bei etwa 97,8% liegen. Der tiefste Wert seit 15 Jahren. Das habe zur Folge, dass der Unterricht nicht nur Stundenweise ausfällt, sondern dass die Schüler hin und wieder auch einen ganzen Tag zu Hause bleiben müssen, weil aufgrund des Krankenstandes und des strukturellen Lehrer-mangels kein Unterricht organisiert werden könne. Es passe nicht zusammen von mehr Ganztagsschulen und mehr Unterricht am Nachmittag zu sprechen, wenn diese Bedarfe gar nicht mehr durch Lehrkräfte abgedeckt werden können, so Seefried.

Mir kann die Kultusministerin nicht vormachen, dass kein Pflichtunterricht ausfällt. Ich habe zwei schulpflichtige Jungs, und ich erlebe, wieviel Unterricht an ihren Schulen ausfällt. Es wurden auch schon ganze Schultage wegen Lehrermangel abgesagt“,  berichtete Ulf Thiele als betroffener Vater aus erster Hand.

Kai Seefried machte anhand eines Vergleichs mit einer ersatzgeschwächten Fußballmannschaft die Brisanz der Lage deutlich. 103% Unterrichtsversorgung, wie vor dem Regierungswechsel 2013 bedeutete, daß 10 Mann auf dem Platz standen, einer im Tor – und die Ersatzbank war voll. Es konnte bei Bedarf kurzfristig auf allen Positionen ausgewechselt werden. Bei 98% stünden jetzt aber nur noch 8 Mann auf dem Feld, keiner im Tor und die Ersatzbank war schon bei 100% verwaist. “So eine Mannschaft spielt nicht um den Aufstieg in die Erste Liga sondern  um den Abstieg. Niedersachsens Schulen sollen zu den starken Schulen in Deutschland und Europa gehören. Davon sind wir mehr und mehr entfernt!” kritisierte Seefried. Kein Wunder, dass in Bayern schon die Forderung erhoben wird, die Abiturprüfungen einzelner Bundesländer nicht mehr als gleichwertig anzuerkennen. Ein Gesamtkonzept des Landes, wie die Unterrichtsversorgung verbessert und die Schulen für die aktuellen Herausforderungen – Inklusion, veränderte Ganztagsschule, Wiedereinführung des Abiturs nach 13 Jahren und auch die Sprachförderung von Flüchtlingskindern – gestärkt werden sollen, sei weiterhin nicht in Sicht.

Der Lehrerberuf muss mehr Anerkennung und Respekt erfahren – dann wird er auch attraktiver. Die Schule kann nicht alle Defizite in der Erziehung ausgleichen” forderten anwesende Oberstufenschüler des Ubbo-Emmius-Gymnasiums Leer und aktive und ehemalige Schulleiter  in der engagierten Diskussion gleichlautend. Für den Lehrerberuf müsse aktiv und positiv geworben werden, forderte auch Ulf Thiele. “Auf Ausbildungsmessen sind sie alle vertreten – die Handwerkskammer, die IHK, größere Unternehmen, unsere Reedereien, die Kommunen, Bundeswehr und Polizei, sogar die Finanzämter – nur die Studienseminare oder die Landesschulbehörde sucht man dort vergebens!”

Auf die Frage einer Schülerin, was die CDU bei einem Regierungswechsel konkret besser machen wollte, stellten Ulf Thiele und Kai Seefried klar, dass es keine erneute Schulstrukturreform geben werde. “Wir wollen die Qualität im bestehenden System verbessern. Es werden keine Türschilder ausgetauscht. Wir werden alle Lehrerstellen, die gebraucht werden, frühzeitig und gezielt ausschreiben, um sie besser zu besetzen. Der Bedarf an Lehrkräften ist vorausschaubar – und wir werden eine Personalbedarfsplanung aufbauen. Und wir werden Anreize schaffen, um Stellen im ländlichen Raum zu besetzen”, so Ulf Thiele. Dies gelte insbesondere für Schulleiterstellen. 150 Grund- schulleiterstellen seien derzeit vakant. Das sei auch schon früher ein Problem  gewesen  aber es habe sich verschlimmert. “Und für 80,00€ netto mehr im Monat halst sich verständlicherweise kaum jemand diese zusätzliche Verantwortung und die Mehrarbeit auf. Hier müssen auch Entlastungen im Verwaltungsbereich geschaffen werden. Die Mindestbesoldung für Grundschulleiter soll auf A13 angehoben werden und es sollen auch zusätzliche “Dorfschulprämien” gezahlt werden. Das haben wir vor”, kündigte Kai Seefried eine konkrete Initiative der CDU an.

 

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