Der Klang des Holzes – Dr. Ekkehard Stammwitz hat sich der Kunst des Instrumentenbaues verschrieben.

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Mit chirurgischer Präzision baut Dr. Ekkehard Stammwitz Geigen in Handarbeit.

 

Mit viel Liebe zum Detail arbeitet er an seinen Werken.

 

Ostfriesland. „Meine frühere Profession war auch handwerklicher Natur“, schmunzelt Dr. Ekkehard Stammwitz. Bis zum Ruhestand war er Chefarzt der Kardiologie im Klinikum Leer. Für den nächsten Lebensabschnitt hat sich der Mediziner vor sechs Jahren einem ganz speziellen Handwerk zugewandt: Er ist als Geigenbauer einer von drei Betrieben in Ostfriesland.

 

„Ich habe schon immer meine Instrumente selbst gepflegt und repariert“, schildert der 71-jährige in seiner Werkstatt am Schwarzdornweg seinen zweiten beruflichen Werdegang. Aber wie in seiner früheren Tätigkeit strebte Stammwitz auch hier höchste Perfektion an. Im bayerischen Deggendorf besuchte er berufsbegleitende Lehrgänge, um sich in alle Facetten des Instrumentenbaues einzuarbeiten. „Eine Lehrstelle zu bekommen, ist außerordentlich schwer und die einzige Staatliche Musikinstrumentenbauschule in Mittenwald hat zehnmal mehr Bewerber als Ausbildungsplätze“, beschreibt Stammwitz die aktuelle Situation.

 

Inzwischen entsteht in der Werkstatt des Leeraner Handwerkers jährlich eine neue Geige. „Da stecken rund 300 Arbeitsstunden drin“, präsentiert er eine „Original Stammwitz“. Das Brandzeichen im Korpus ist quasi ihre Geburtsurkunde. Der Ruheständler arbeitet meistens halbe Tage in seiner Werkstatt – im Winter länger als im Sommer, wenn er mit seinem Segelboot „Sones“ auf Nord- und Ostsee unterwegs ist.

 

Neben dem Neubau sind es aber auch Reparaturen alter Geigen. „Es liegt mir am Herzen, die alten Instrumente in einem adäquaten, spielfähigen Zustand zu erhalten“, sagt der Musikliebhaber. Der Neubau einer Geige beginnt mit der Auswahl guten Tonholzes. „Dafür soll ein Baum in der ersten Neumondnacht des neuen Jahres gefällt werden und mindestens ein Vierteljahr mit dem Wipfel talwärts gerichtet liegen bleiben“, berichtet der passionierte Geigenbauer, der zudem auch in zwei Orchestern in Leer und Oldenburg mitspielt. „Gutes Holz muss bis zu 30 Jahre trocknen und ist an der Baumgrenze oberhalb von 1000 Metern gewachsen“, weiß er. Solche Hölzer wachsen in Italien. Aber auch in den Karpaten, woher er sein Tonholz bezieht, werden dem Rohstoff beste Eigenschaften nachgesagt.

 

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Der Boden wird aus Ahorn gefertigt, die Decke aus leichterem Fichtenholz. Je nachdem, welche Form die Decke aufweist, klingt die Geige später strahlend hart oder warm und voll. Auch die Seiten (Zargen), Hals und Schnecke baut der Leeraner selbst. Zum Schluss wird die Oberfläche mit speziellem Geigenlack behandelt, der in bis zu 25 Schichten aufgetragen wird. Bevor es dann daran geht, die Geige einzustimmen, wird mit fast chirurgischem Werkzeug der Stimmstock, die Seele der Geige, zwischen Boden und Decke gesetzt. Die Position beeinflusst ebenfalls den Klang des Instrumentes. Das alles sind Erfahrungswerte, die sich in keinem Handbuch nachlesen lassen.

 

Für den Geigenbau hat Stammwitz spezielle Werkzeuge im Wert von rund 14.000 Euro angeschafft. „Schmirgelpapier ist bei Geigenbauern verpönt. Wir bringen das Holz mit Ziehklingen in Form“, schildert er die mühevolle Arbeit, aus einem Brett einen 2,5 bis fünf Millimeter dicken Boden oder Decke zu formen. Sein Können bietet er auch ehrenamtlich an: Als Vorsitzender des Eltern- und Fördervereins der Leeraner Musikschule repariert und pflegt er die Instrumente der Einrichtung.