Lohnverteilung und 1:12-Initiative: Gerechtigkeit und Demokratie auf dem Prüfstand

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Niemand soll in einem Jahr weniger verdienen als der bestbezahlte Manager im gleichen Unternehmen in einem Monat. Dies fordert die 1:12-Initiative aus der Schweiz. Weshalb wir Lohngerechtigkeit einfordern müssen, haben AutorInnen mit akademischem und aktivistischem Hintergrund herausgearbeitet. Ausgehend von Analysen zu Lohnungleichheit wird gezeigt, dass die Explosion der Manager-Gehälter nicht Folge von unverrückbaren Naturgesetzen ist. Veränderte wirtschaftliche Machtverhältnisse erlauben einigen wenigen, sich immer mehr an den Früchten der Gesamtwirtschaft zu bedienen. Aufgabe der Politik muss es sein, diesen Machtverhältnissen entgegenzutreten.

Mit ökonomischen, philosophischen und politischen Beiträgen wird aufgezeigt, dass mit der 1:12-Initiative ein Projekt zur Debatte steht, das zu einer gerechteren Verteilung der Löhne führt. Die Höchstlöhne sollen nicht im Ermessen der Manager liegen, sondern durch demokratische und für alle verbindliche Regeln bestimmt werden, was die Frage nach Verteilung von Macht und Reichtum wieder stärker zum Inhalt der Demokratie macht.

Die Argumente der 1:12 initiative:

Irrtum I: “Die grossen Multis verlagern ihre Standorte ins Ausland.”

Die Standortfrage ist bloss Erpressung der Abzocker, damit alles in ihrem Sinne bleibt und das Volk nicht für faire Spielregeln sorgen kann. Denn die 1:12-Initiative fordert nur eine maximale Lohnspanne. Der Erfolg eines Unternehmens wird nicht beeinträchtigt. Es wird weder die Produktion verteuert, noch das Management erschwert. Im Gegenteil: Zu hohe Löhne für Manager schmälern die Unternehmensleistung, weil sie falsche Anreize setzen und das Unternehmensklima beeinträchtigen.

Irrtum II: “Die 1:12-Initiative ist aufwendig umzusetzen.”

Sicher nicht! Die Unternehmen können z.B. verpflichtet werden, die Löhne mit der Steuererklärung, dem Jahresbericht oder der Buchprüfung offen zu legen. So müsste auch keine neue Behörde geschaffen werden.

Irrtum III: “Die 1:12-Initiative wird umgangen, weil Unternehmen einfach Mitarbeiter/innen auslagern.”

So einfach ist das nicht. Erstens muss das Parlament – wird die 1:12-Initiative vom Volk angenommen – ein Gesetz zur Umsetzung verabschieden. Auslagerungen um 1:12 zu verhindern müssten darin strafbar gemacht werden. Zweitens sprechen wir von Unternehmen und nicht von einer schon definierten juristischen Person. Scheinselbstständige sowie Beschäftigte in dauernden Auftragsverhältnissen oder Management-Gesellschaften gehören genauso zu einem Unternehmen wie „normale“ Arbeitnehmer/innen. Drittens sind Auslagerungen Grenzen gesetzt, wenn sie ineffizient werden. Ein Sekretär z.B. ist schwierig auszulagern.

 

“Über diese Initiative muss auch in Deutschland diskutiert werden. Ob nun 1:12 der Maßstab ist, muss die Diskussion zeigen. Viel wichtiger ist es, ein Bewußtsein darüber zu schaffen,  wie weit die Schere zwischen Armen und Reichen in einer Gesellschaft auseinandergehen darf”, so Ingo Tonsor, Direktkandiat der Freien Wähler für den Deutschen Bundestag.